12. Februar 2017

Nehemia. Heilige Unzufriedenheit.

Prediger/in:
Serie:
Passage: Nehemia 1
Dienstart:

Bible Text: Nehemia 1 | Preacher: Jacob Wiebe | Series: Nehemia | Wie geht es dir, wenn deine Umstände zu wünschen übriglassen? Was geschieht mit dir, wenn Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorgestellt hast? Was tust du, wenn dein Leben gerade zerbricht? Wie reagierst du, wenn du unzufrieden oder unglücklich bist?

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Unzufriedenheit und Unzuträglichkeiten.

Rückzug ist eine Möglichkeit. Menschen fühlen sich als Opfer ihrer Umstände und ziehen sich innerlich und äußerlich zurück. Sie werden keine Verantwortung übernehmen. Sie sind eingeschüchtert und brechen mit ihren Jobs, mit ihren Beziehungen und mit ihren Verpflichtungen.
Jammern und Klagen ist eine weitere Option. Ja, wir sind ja tatsächlich in einer misslichen Lage, natürlich gehören Jammern und Klagen dazu. Ob die Umstände nun selbst- oder fremdverschuldet sind, spielt dabei keine große Rolle. Es tut weh und ich bin unglücklich. Wir wollen nicht an dem Ort sein. Alles zwickt und ist zu eng, zu unbequem. Wer ist schuld? Meistens sind es dann die Lehrer, die Eltern, der Partner, der Arbeitgeber oder die Kirche – zumindest auf den ersten Blick.
Dauert die Unzufriedenheit länger an, ist das Sich-Abfinden mit der Situation die nächste Variante. Man hört dann oft solche oder ähnliche Sätze:

Ach, ich habe schon das und das versucht, nichts hat geholfen.
Ich rede mir den Mund fusselig, aber der/die tut nichts dagegen…
Die Situation ist wie sie ist, und ich kann auch nichts tun
Man muss sich damit einfach abfinden, es ändert sich eh nichts…

Und die letzte Stufe ist dann die, dass wir unser Unglück zur neuen Normalität erklären. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – sagt man. Wir gewöhnen uns mit der Zeit an fast alles und passen uns an. Der Zustand muss nur lang genug anhalten und dann geht es uns wie der wilden Ente aus Sören Kierkegaards Fabel…

Eine wilde Ente flog mit ihren Freunden im Frühling über Europa. Es geschah, dass sie in Dänemark auf einem Bauernhof landete, um eine Pause zu machen. Sie befreundete sich schnell mit den Hausenten, die dort lebten.

Die Wildente genoss das Futter und das frische Wasser. Sie beschloss, für eine Stunde zu bleiben, dann für einen Tag, dann für eine Woche und schließlich für einen Monat. Am Ende dieser Zeit überlegte sie, sich wieder ihren Freunden im hohen Norden anzuschließen, aber sie fing an die Sicherheit des Bauernhofs zu genießen. Und die Hausenten gaben ihr das Gefühl, Willkommen zu sein. So blieb sie für den Rest des Sommers.

Eines Herbsttages, als ihre Freunde südwärts flogen, hörte sie sie Quaken. Sie war hoch erfreut und sie schlug enthusiastisch mit ihren Flügeln, hob in die Luft ab, um sich ihnen anzuschließen. Aber zu ihrem Erstaunen musste sie feststellen, dass sie nicht höher abhob, als der Zaun. So watschelte sie wieder zurück zum Bauernhof. Sie sagte sich: „Ich bin hier zufrieden, ich habe genug zu essen, die Gegend ist gut, warum sollte ich hier fort?“ So verbrachte sie auch den Winter auf dem Hof.

Im Frühjahr, als die Wildenten wieder über ihrem Kopf hinwegflogen, überkam sie wieder ein eigenartiges Gefühl, aber sie versuchte es noch nicht einmal abzuheben, um sich ihnen anzuschließen. Als sie dann im Herbst wiederkamen, luden sie sie wieder ein, sich ihnen anzuschließen, aber jetzt schenkte die Ente ihnen keine Beachtung mehr. Es gab noch nicht einmal dieses eigenartige Gefühl in ihrem Inneren. Sie fraß einfach weiter ihr Futter, das sie bereits so fett gemacht hatte.

Es gibt eine unheilige Zufriedenheit und eine heilige Unzufriedenheit in unserem Leben. Zu welcher Kategorie gehörst du?

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